
Fritz Pauer
(piano)
Passend zum 60. Geburtstag wurde dem Pianisten Fritz Pauer im
Jahr 2003 das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich
verliehen; im gleichen Jahr wurde er auch für den Hans Koller
Preis nominiert. Dass er dieses Jahr den Staatspreis für
Improvisierte Musik erhält, ist nicht nur für ihn, sondern
für den österreichischen Jazz schlechthin eine Ehre.
Nach Hans Koller, Joe Zawinul und Michael Mantler, wird ein Musiker
ausgezeichnet, der wesentliche Entwicklungsschritte des österreichischen
Jazz begleitet hat. So spielte er bereits als Siebzehnjähriger
mit einer der Vätergestalten des österreichischen Jazz,
mit Fatty George, jammte in „Fatty’s Saloon“
mit Elvin Jones, Ray Brown oder Ella Fitzgerald. Praktisch erlebte
er die Stilvielfalt des modernen Jazz von Jugendjahren an. Mehr
noch: später, im Spiel mit dem legendären Art Farmer
Quintetts, dem er 15 Jahre lang angehörte, als Pianist, Arrangeur
und Komponist für die ORF BigBand, Leiter der Swiss Jazzschool
in Bern (1982 - 1984) oder als Lehrer des Konservatoriums der
Stadt Wien, stellt er dabei allemal seine besondere Fähigkeit
unter Beweis, sein Spiel nicht nur dem jeweiligen stilistischen
Anforderungen anzupassen, sondern vor allem als integrative Kraft
im Hintergrund zu wirken. Musiker wie Johnny Griffin, Benny Golson,
Eddie „Lockjaw“ Davis, Benny Carter, Harry „Sweets“
Edison, Attila Zoller, James Moody oder Herb Ellis - jeder für
sich eine Insel auf der Landkarte der improvisierten Musik, die
sich Jazz nennt - wussten sein Können zu schätzen, wenn
sie in Wien aufspielten und nach einem passenden Pianisten fragten.
So rührt die Weltgeltung, die sich der Jazz aus Wien erspielt
hat, nicht zuletzt von Musikern wie Fritz Pauer her, die aus ihrer
Freude an der Musik kein Hehl machen und in Wien Musikern aus
aller Welt eine musikalische Heimat anbieten. Und dass Pauer dabei
selbst wiederum immer wieder ein offenes Ohr für die Musiken
dieser Welt hat, die er durch die Bekanntschaft mit Joe Zawinul
besonders schätzen gelernt hat, macht ihm zu einem Preisträger,
bei dem das Nehmen und Geben eine schöne Balance gefunden
haben.
Laudatio v. mathias
rüegg