Hans Koller Preis - New York Stipendium
Nachbericht von Simone Kopmajer
Als ich im Herbst 2003 erfuhr, dass ich zusammen mit dem Schlagzeuger Herbert Pirker das New York Stipendium im Rahmen des Hans Koller Preises bekommen würde, war die Freude groß. Die Chance zu bekommen die „Stadt des Jazz“ kennenzulernen , war für mich eine wunderbare Vorstellung und eine Gelegenheit, die sich einem in dieser Form nur einmal im Leben bietet.
Da ich durch mehrere Konzertereisen in die USA schon mit einigen amerikanischen Musikern gespielt hatte und auch die CD „Moonlight Serenade“ im Sommer 2003 im Avatar Studio in New York aufgenommen habe, hatte ich keine Zweifel eine Unterkunft in dieser Stadt zu finden.
Mein Aufenthalt in New York dauerte von Anfang Jänner bis Ende Februar 2004.
Wohnen:
Durch Freunde erfuhr ich von einer Familie die in einem Haus in New Jersey wohnen. Dort bezog ich ein Zimmer und war froh nicht ganz alleine leben zu müssen. Gleich in den ersten Tagen kaufte ich mir ein kleines Keyboard, auf dem ich von nun an üben konnte. Das Gute an dieser Wohnsituation war auch die schnelle Verkehrsverbindung in die Stadt (in 20 min. war ich in Manhattan – 33rd Street-7th Avenue) und die Tatsache das Leben der Amerikaner hautnah mitzuerleben und hier eine Art Alltagsleben zu führen, war eine schöne Erfahrung für mich.
CD-Aufnahme:
Anfang Jänner begannen die Proben für die CD Aufnahme im Februar und ich traf mich mehrmals mit dem Produzenten, um mit ihm gemeinsam die Lieder auszusuchen. Wir hörten gemeinsam Aufnahmen an und er machte mir „tausend“ Vorschläge, (ich war erstaunt wie viele Songs er kannte und mit wie vielen Leuten er bereits gearbeitet hatte) ließ mir aber jegliche Freiheit bei der Auswahl des Liedmaterials. Danach begann ich die Stücke mit dem Pianisten John di Martino zu erarbeiten und es war ein großer Vorteil für mich mit den Musikern schon im Vorfeld spielen zu können. Nach der ersten Bandprobe (Eric Alexander (sax), John di Martino (p), George Mraz (b) und Tim Horner (dr)) gab es finanzielle Schwierigkeiten bei der Plattenfirma und der Aufnahmetermin wurde von Februar auf April verschoben. Daher flog ich in den Osterferien erneut für ein paar Tage nach New York. Als ich dort ankam, erschien mir alles schon sehr vertraut und auch die Zeit im Studio war für mich sehr wertvoll. Die Musiker gingen auf meine Wünsche ein, waren sehr zuvorkommend und es war ihnen sehr wichtig, dass ich mich bei den Liedern wohlfühlte. Es war eine sehr gute Teamarbeit!
Konzerte:
In den zwei Monaten habe ich fast jeden Tag ein Konzert gehört und das Angebot ist so groß, dass man an einem Abend sicher zu 10 interessanten Veranstaltungen gehen könnte. Hier sind einige der Künstler die ich während meines Aufenthalts sah:
Shirley Horn, Anita O´Day, Mulgrew Miller, Lincoln Center Jazz Orchestra, Dee Dee Bridgewater, Jacky Terrason, Cassandra Wilson, Ian Shaw, Sheila Jordan, Ahmad Jamal, Grady Tate, Nnenna Freelon, Frank Wess, Kenny Barron, Jimmy Scott, Terri Lyne Carrington, Mark Turner, Bill Charlap, Cyrus Chestnut, Barry Harris, Steve Kuhn, Billy Drummond, Wynton Marsalis, Lizz Wright, Dena DeRose, Lynne Arriale, Jay Anderson, Steve Davis, Ugonna Okegwo, Marlena Shaw, Cyrus Chestnut, uva.
Manche dieser Konzerte fanden in Konzertsälen statt, doch am interessantesten fand ich die Clubs wie z.B. das Blue Note, Iridium, Village Vanguard, Birdland... Diese hab ich mir immer viel größer vorgestellt, doch manche sind so klein, dass man den Jazzgrößen auf die Finger sehen kann - was auch seine Vorteile hat!
Eigene Auftritte:
Mitte Jänner flog ich nach Florida, um am Cocoa Beach Jazzfest und Bahamas Jazzfestival zu singen. Ich spielte dort mit Musikern aus New York und meinem Bruder am Schlagzeug. Bei einem dieser Konzerte traf ich auch Mark Murphy, der an der Jazzabteilung der Universität Graz Gesang unterrichtet hatte. Ich verbrachte einen ganzen Tag mit ihm und wir unterhielten uns sehr angeregt. Dieses Gespräch war für mich wertvoller als die Zeit die ich zuvor bei ihm gelernt hatte. Er hörte sich auch meinen Auftritt an und gab mir Ratschläge. Nach diesen Konzerten flog ich wieder zurück nach New York.
Sheila Jordan:
Da ich den musikalischen Leiter des Lincoln Centers (Todd Barkan) gut kenne, konnte ich nicht nur alle Konzerte besuchen, sondern durfte auch mit vielen Künstlern nach ihrem Auftritt reden.
Im Rahmen dieser Veranstaltungen traf ich auch meine liebste Gesangslehrerin Sheila Jordan wieder. Sie lud mich für ein paar Tage in ihr Haus in Upstate New York ein, um mir bei den Stücken für die CD-Aufnahme zu helfen. Ich verbrachte 4 wunderschöne Tage mit einem meiner größten Vorbilder und einem Menschen der immer an mich geglaubt hatte. Sie erzählte mir ihre Lebensgeschichte, von Musikern, die man nur noch von alten Platten kennt. Es hörte sich an wie ein spannendes Buch. Ihre CD Sammlung war riesig und wir hörten den ganzen Tag Musik....Ein wunderschönes Erlebnis, das ich niemals vergessen werde.
Unterricht/Worshops:
Das Knüpfen von Kontakten zu berühmten Sängern/Sängerinnen war viel schwerer als ich es mir vorgestellt hatte. Viele von ihnen hatten entweder keine Zeit, Unterricht zu geben, oder waren bereits so berühmt , dass sich eine Frage nach Privatstunden dadurch erübrigte. Ich besuchte Workshops mit Barry Harris, die mir sehr gut gefielen und einige „Scatlab“ Worshops bei Jay Clayton. Nach längerem Suchen fand ich dann auch einen Sänger bei dem ich mehrere Einzelstunden nahm.
Marion Cowings faszinierte mich. Er erinnerte mich sehr an den Sänger Al Jarreau. Marion arbeitete mit mir an Atmung, Technik, Ausdruck, Scatgesang und Interpretation. Er gab mir Aufnahmen von Musikern, die ich mir „auschecken“ sollte, half mir mit den Texten und zeigte mir stimmtechnische Übungen die sich für mich als sehr hilfreich herausstellten. Ein wirklich sehr guter Lehrer!
Wichtiger als Privatstunden ist es für einen Sänger jedoch Konzerte zu besuchen. Hier kann man meines Erachtens am meisten lernen, weshalb ich den Schwerpunkt meines Aufenthaltes auch darauf gesetzt hatte, so viele Sänger wie möglich live sehen zu können. Hier kann man gut beobachten, wie sie sich auf der Bühne bewegen, gestikulieren, mit dem Publikum reden, wie sie einzählen, cue´s geben, Tempowechsel anzeigen, wie viele Soli sie spielen lassen, welche Stücke sie wählen, an welchen Stellen sie musikalische Höhepunkte setzen, ...
Durch das mehrmalige Besuchen ein und des selben Konzertes, kann man auch erkennen, wie viel davon improvisiert ist und welche beim ersten Mal sehr spontan gewirkten Phrasen, Ansagen, Texte,... bei jedem Konzert wiederholt werden!
Auch an den Universitäten in New York war ich interessiert und sah mir die Julliard School und das New York City College an.
Im Laufe meines Aufenthalts in New York lernte ich viele Leute kennen, lebte für 2 Monate das Leben eines „richtigen“ Amerikaners, knüpfte Freundschaften und hatte mich am Ende so an dieses Leben und die Umgebung gewöhnt, dass ich noch sehr gerne geblieben währe.
Auch für meine musikalische Entwicklung war dieses Stipendium sehr wichtig. So lernte ich bei einem Konzert den Sänger Allan Harris kennen, der mich hörte und für die Jazz Academy „Jazz Aspen Snowmass“ in Colorado vorschlug. Hier hatte ich die Möglichkeit mit Musikern wie Christian McBride, Russell Malone, Benny Green, Eddie Palmieri, Carl Allen,... zu arbeiten, aber das ist eine andere Geschichte.
Das New York Stipendium war für mich ein wunderschönes Erlebnis und ich möchte mich noch einmal bei Mathias Rüegg, Eva Salfellner und der Jury des Hans Koller Preises für ihr Vertrauen, das sie in mich gesetzt haben, bedanken.